EMPATHIA³ Working Papers

In den EMPATHIA³ Working Papers werden Teilaspekte der interdisziplinären Verbundforschung besonders beleuchtet, sei es zu spezifischen Professionsthemen wie der Polizei, der Schule, des Strafvollzugs oder sei es zu Querschnittsthemen wie professioneller Empathie oder historisch-politischer Bildung.

Die Working Papers werden online veröffentlicht (mehr hier). Herausgeberin der Reihe ist Prof. Dr. Nicola Brauch.

Empathie professionalisieren. Ein selbstreflexiver Ansatz antisemitismuskritischer Bildung in öffentlichen Institutionen

Autorin: Jana-Andrea Frommer
Veröffentlichungsdatum: 16. Dezember 2025

Link zum Working Paper No. 05.

Der Beitrag geht der Frage nach, welches Empathieverständnis sich für eine wirksame Antisemitismusprävention in öffentlichen Institutionen eignet, wenn die Rolle von Emotionen und affektiven Deutungsmustern im Antisemitismus ernst genommen und Empathie als wichtige Ressource professionellen Handelns verstanden wird. Dabei wird die professionelle Haltung von Staatsbediensteten in ihrem rollenspezifischen institutionellen Kontext in den Blick genommen, deren Verständnis im Beitrag auf der Grundlage eines reflexiven Professions- und Haltungsverständnisses entfaltet wird. Auf Basis aktueller empirischer Befunde zu antisemitischen Erfahrungen in Institutionen und zum Phänomen eines zunehmend tolerierten Antisemitismus wird gezeigt, dass kognitives Faktenwissen zwar eine notwendige Grundlage bildet, allein jedoch nicht ausreicht, um Betroffene zu schützen und verantwortliches Handeln im öffentlichen Dienst zu fördern.

Im Zentrum steht ein an Carl Rogers orientiertes Empathieverständnis, das Empathie als Teil einer Haltung konzipiert, die Selbstwahrnehmung, emotional anschlussfähiges Verstehen und kognitive Differenziertheit verbindet, ohne in eine Identifikation mit der anderen Person zu münden. Darauf aufbauend werden die personellen und prozessualen Bedingungen und Wirkfaktoren eines solchen Empathieverständnisses herausgearbeitet. Auf dieser Grundlage wird ein Modell empathisch-selbstreflexiver Professionalität weiterentwickelt und dargelegt, das die Verschränkung von Wissensbeständen, berufsethischen Anforderungen und emotionsreflexiven Lernprozessen beschreibt. Praxisorientierte Zugänge wie Focusing dienen dabei als Beispiel für Herangehensweisen, die emotionale Resonanzen bewusst machen und in Reflexionsprozesse über antisemitismuskritische Fragestellungen integrieren.

Es wird argumentiert, dass eine empathisch-selbstreflexive Professionalität Staatsbedienstete darin unterstützt, Ambivalenzen auszuhalten, für jüdisches Leben und Betroffenenperspektiven zu sensibilisieren und zugleich handlungs- und urteilsfähig zu bleiben. Damit wird ein konzeptioneller Rahmen für antisemitismuskritische Bildungsarbeit im öffentlichen Dienst skizziert, der fachliches Wissen mit einer auf kommunikativer Rationalität beruhenden Haltung verbindet.

Historisch denken – Emotionen „verstehen“. Geschichtsbewusste Empathie als eine Komponente historischer Orientierung im Kontext des Antisemitismus der Gegenwart

Autorin: Jana Habig
Veröffentlichungsdatum: 30. April 2025

Link zum Working Paper No. 04.

Das Working Paper führt das Konstrukt der geschichtsbewussten Empathie (gbE) ein. Diese wird als erlernbare Fähigkeit verstanden, Emotionen in ihrer narrativen Formung wahrzunehmen, ihnen nachzuspüren und sie zu verstehen. Unter narrativer Emotionsformung wird – im Sinne eines narrativistischen Geschichtsverständnisses – der Einfluss historischer Darstellungen auf Emotionen bei ihrer Produktion und Rezeption gefasst.

GbE wird als Komponente der Orientierungskompetenz konzipiert: Sie nutzt historisches Denken, um narrative Emotionsformungen bei anderen und der eigenen Person zu verstehen und reflektiert in historische Urteilsbildungsprozesse einzubeziehen. „Verstehen“ ist dabei nicht normativ zu fassen, sondern als „Nachvollziehen“, um rationale Betrachtung und fundierte Werturteile zu ermöglichen.

Der Beitrag entwickelt ein theoretisches Modell zur Förderung von gbE in historischen Lernprozessen und erläutert Möglichkeiten ihrer Förderung im Kontext des Antisemitismus der Gegenwart. GbE wird dabei als zentrale Komponente betrachtet, um die emotionale Dimension des Antisemitismus zu verstehen und SchülerInnen zu einem reflektierten Umgang mit antisemitischen Situationen zu befähigen.

Zu den Auswirkungen des arabisch-israelischen Konflikts im Klassenraum.

Kritische Anmerkungen zu „Empfehlung Fachdidaktik: Hamas-Terror, Gaza-Krieg, Nahost-Konflikt – 50 Handlungsmöglichkeiten für Lehrer*innen“ von Karim Fereidooni

Autor/-innen: Jakob Baier, Volker Beck, Florian Beer, Marc Grimm, Jana Habig, Andreas Stahl
Veröffentlichungsdatum: 14. Februar 2025

Link zum Working Paper No. 03.

Der Artikel analysiert kritisch die Publikation „Der Hamas-Terror, der Gaza-Krieg und der Nahost-Konflikt: 50 Handlungsempfehlungen für Lehrer*innen“ von Karim Fereidooni. Die Autor*innen identifizieren mehrere kritikwürdige Aspekte: Eine durchgängige Parallelisierung von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus, die der Realität an deutschen Schulen nicht gerecht wird, sachliche Fehler bei der Darstellung des Nahost-Konflikts sowie eine mangelnde Berücksichtigung der spezifischen Bedrohungslage jüdischer Schüler*innen. Abschließend empfehlen die Autor*innen sieben Präventions- und Interventionsmaßnahmen für den schulischen Alltag.

Eine sichere Schule für Jüdinnen und Juden: Ein Leitfaden für die antisemitismuskritische Schulentwicklung in 35 Fragen und Antworten

Autoren: Marc Grimm, Florian Beer
Veröffentlichungsdatum: 16. Oktober 2024

Link zum Working Paper No. 02.

Der Handlungsleitfaden „Eine sichere Schule für Jüdinnen und Juden“ behandelt in Form von 35 Fragen und Antworten zentrale Aspekte der Prävention, Intervention und Repression von Antisemitismus im schulischen Kontext. Der Leitfaden richtet sich an Pädagoginnen, Schulleitungen und weitere Akteure im Bildungsbereich. Er thematisiert neben der unterrichtlichen Bildung auch außerunterrichtliche Angebote, Elternarbeit, Schulkultur und emotionale Bildung. Besonderer Wert wird auf den Schutz und das Empowerment jüdischer Schülerinnen sowie auf die Sensibilisierung aller Beteiligten für die verschiedenen Erscheinungsformen des Antisemitismus gelegt. Der Leitfaden ist praxisorientiert und bietet konkrete Handlungsempfehlungen, um Schulen zu Orten der Sicherheit und Wertschätzung für Jüdinnen und Juden zu machen.

A Safe School for Jewish Pupils: A Guide to Antisemitism-Critical School Development in 35 Questions and Answers.

Authors: Marc Grimm, Florian Beer
Publication Date: July 29th, 2025

Link to Working Paper No. 02, english

This guide supports educators and school administrators in fostering antisemitism-critical school development. Presented in 35 questions and answers, it addresses structural, curricular, and cultural dimensions of making schools safe for Jewish pupils. Drawing on pedagogical and empirical insights, the publication outlines strategies for prevention, intervention, and enforcement, emphasizing the importance of recognising Jewish presence, countering antisemitic stereotypes, and developing emotional and political literacy. It offers practical tools for everyday school life, while encouraging whole-school responsibility and long-term professional development. While grounded in the German school context, the guide may offer transferable perspectives for addressing antisemitism in other educational settings.

Una escuela segura para judíos. Guía para el desarrollo escolar antisemita en 35 preguntas y respuestas

Autores: Marc Grimm, Florian Beer
Fecha de publicación: 29 de julio de 2025

Link zum Working Paper No. 02, español

La guía de pautas de acción «Una escuela segura para los judíos» aborda en forma de 35 preguntas y respuestas aspectos centrales de la prevención, intervención y represión del antisemitismo en el contexto escolar. La guía está dirigida a profesores, administradores escolares y otras partes interesadas del sector educativo. Además de la educación en el aula, también aborda los programas extraescolares, el trabajo de los padres, la cultura escolar y la educación emocional.  Se hace especial hincapié en la protección y el empoderamiento de los alumnos y alumnas judíos y en la sensibilización de todos los implicados ante las diversas manifestaciones del antisemitismo. La guía está orientada a la práctica y ofrece recomendaciones concretas de actuación para hacer de las escuelas lugares seguros y de aprecio para los judíos.

مدرسة آمنة لليهود واليهوديات دليل إرشادي لتطوير عمل المدارس لمناهضة معاداة السامية عبر 35 سؤالاً وجواباً

المؤلفون: مارك جريم، فلوريان بير
تاريخ النشر: 29 يوليو 2025

رابط لورقة العمل رقم 02، باللغة العربية

This guide supports educators and school administrators in fostering antisemitism-critical school development. Presented in 35 questions and answers, it addresses structural, curricular, and cultural dimensions of making schools safe for Jewish pupils. Drawing on pedagogical and empirical insights, the publication outlines strategies for prevention, intervention, and enforcement, emphasizing the importance of recognising Jewish presence, countering antisemitic stereotypes, and developing emotional and political literacy. It offers practical tools for everyday school life, while encouraging whole-school responsibility and long-term professional development. While grounded in the German school context, the guide may offer transferable perspectives for addressing antisemitism in other educational settings.

Ένα ασφαλές σχολείο για Εβραίες και Εβραίους. Ένας Oδηγός για την κριτική αντιμετώπιση του αντισημιτισμού μέσω της σχολικής ανάπτυξης με 35 ερωτήσεις και απαντήσεις

Οι συγγραφείς: Marc Grimm και Florian Beer
Ημερομηνία δημοσίευσης: 14 Απριλίου 2026

Link zum Working Paper No. 02, greek

Ο πρακτικός Οδηγός «Ένα ασφαλές σχολείο για Εβραίες και Εβραίους» εξετάζει, μέσα από 35 ερωτήσεις και απαντήσεις, καίριες πτυχές της πρόληψης, της παρέμβασης και της αντιμετώπισης του αντισημιτισμού στο σχολικό περιβάλλον. Ο Οδηγός απευθύνεται σε εκπαιδευτικούς, διευθύνσεις σχολικών μονάδων και λοιπούς φορείς του εκπαιδευτικού χώρου. Εξετάζει, πέρα από τη διδακτική διαδικασία, και τις εξωδιδακτικές δραστηριότητες, τη συνεργασία με τους γονείς, τη σχολική κουλτούρα και τη συναισθηματική αγωγή. Ιδιαίτερη έμφαση δίνεται στην προστασία και την ενδυνάμωση των εβραίων μαθητών και μαθητριών, καθώς και στην ευαισθητοποίηση όλων των εμπλεκομένων ως προς τις διαφορετικές εκφάνσεις του αντισημιτισμού. Ο Οδηγός έχει πρακτικό προσανατολισμό και παρέχει συγκεκριμένες συστάσεις δράσης,  με στόχο να καταστούν τα σχολεία  χώροι ασφάλειας και εκτίμησης για τις Εβραίες και τους Εβραίους.

Wahrnehmungen von Antisemitismus und jüdischem Leben bei der Polizei: Eine Interviewstudie bei der Landespolizei Nordrhein-Westfalen

Autor/-innen: Marc Grimm, Sarah Jadwiga Jahn, Jana-Andrea Frommer, Jakob Baier
Veröffentlichungsdatum: 13. Juni 2024

Link zum Working Paper No. 01.

Individuelle und institutionelle Wahrnehmungen von Antisemitismus und jüdischem Leben prägen das polizeiliche Handeln und haben konkrete Auswirkungen auf Ermittlungsverfahren, Opferschutz und die Einordnung von Kriminalitätsvorkommen. Damit Antisemitismus erkannt und die Gefahrenlage für die Betroffenen wahrgenommen und identifiziert wird, bedarf es einer phänomenspezifischen und zielgruppengerechten Professionalisierung der Polizeikräfte. Bisher liegen jedoch keine empirischen Erkenntnisse über die Wissensbestände von Polizeikräften zum Phänomenbereich Antisemitismus und jüdischem Leben vor. In einer unter der Leitung von Dr. Marc Grimm (Universität Bielefeld) und Dr. Sarah Jadwiga Jahn (Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen) durchgeführten Studie wurden insgesamt 39 Polizisten und Polizistinnen im Zeitraum von Juni bis Dezember 2022 aus unterschiedlichen Dienstbereichen von zehn Kreispolizeibehörden Nordrhein-Westfalens befragt. Ziel der Untersuchung war es, polizeiliche Perspektiven, Erfahrungen und Einschätzungen zu den Themenfeldern jüdisches Leben und Antisemitismus zu erheben sowie Wissens- und Kompetenzbedarfe aus der Polizeipraxis zu ermitteln.