SCIENTIA – Jüdisches Leben respektvoll wahrnehmen & aktuelle Antisemitismen lesen und erkennen können

Teilprojekt Tikvah Institut

Institution: Tikvah Institut Berlin
Projektleitung: Volker Beck
Beteiligte: Deidre Berger, Philip Vogler, Carolin Kainka

Nach antisemitischen Vorfällen wird oft schnell die Forderung laut, die Polizei müsse die roten Linien aufzeigen und die Schule müsse mit Bildung und pädagogischen Interventionen präventiv und wertebildend wirken. Selten wird die Frage gestellt, was Polizist/-innen und Lehrer/-innen mitbringen, um das Gewünschte leisten zu können und wann sie das notwendige Wissen in ihrer Ausbildung vermittelt bekamen. Dieser Fragestellung wird sich dieses Projekt wissenschaftlich zuwenden. 

Innerhalb der Entwicklung eines Kerncurriculums für die Aus- und Fortbildung von Staatsbediensteten beschäftigt sich das Tikvah Institut besonders mit dem virulenten Problem der israelbezogenen Judenfeindschaft. Ob im Klassenraum oder auf Demonstrationen, Slogans wie „from the river to the sea, palestine will be free“ und „yallah intifada“ müssen von Staatsbeamt*innen als antisemitische Äußerungen erkannt werden, um ihnen präventiv oder ggf. auch repressiv wirksam zu begegnen. Dafür ist historisches und politisches Wissen über den arabisch-israelischen Konflikt die Voraussetzung. 

Eine zweite, damit zusammenhängende Dimension ist die Frage nach dem Verhältnis von Antisemitismus und Recht, das heißt den tatsächlichen und unterschiedlichen Eingriffsmöglichkeiten von Polizei und Lehrkräften. Denn sind die inhaltlichen Voraussetzungen, um Antisemitismus zu erkennen, erst einmal geschaffen, schließt sich die Frage an: Ist diese Aussage verboten? Kann oder muss ich den Schüler/die Demonstrantin anzeigen? Welche Verpflichtungen habe ich gegenüber den Opfern eines antisemitischen Vorfalls? Unsicherheiten mit Blick auf polizeiliche und schulische Zuständigkeitsbereiche lähmen die Ahndung antisemitischen Verhaltens. Auch hier gilt: Wissen ist die Grundlage für eine zielsichere Antisemitismusintervention. 

Volker Beck leitet das Projekt Scientia im BMBF-Verbundprojekt EMPATHIA³. Er ist Gründer und Geschäftsführer des Tikvah Instituts gUG. Seit 2022 ist Volker Beck zudem auch Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Nach seinem Mandat als Bundestagsabgeordneter lehrte er ab 2017 am CERES der Ruhr-Universität Bochum Religionspolitik.

Deidre Berger ist Mitbegründerin und Gesellschafterin des Tikvah Instituts gUG. Sie war langjährige Direktorin des American Jewish Committee Berlin Ramer Institute for German-Jewish Relations. Seit 2021 ist sie zudem Vorstandsvorsitzende der Jewish Digital Recovery Project Foundation (JDCRP).

Philip Vogler ist Diplom-Jurist und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Teilprojekt Scientia des Verbundprojekts EMPATHIA³ am Tikvah Institut. Nebenbei engagiert er sich ehrenamtlich in mehreren Organisationen zur Bekämpfung von Antisemitismus. Seine Forschungsinteressen liegen darin, wie geltendes Recht zur Bekämpfung von Antisemitismus beiträgt und welche rechtspolitischen Möglichkeiten es dabei gibt.

Carolin Kainka ist Volljuristin und hat einen Bachelorabschluss in Politik und Recht mit einem Schwerpunkt auf Antisemitismus der Universität Münster. Derzeit arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Tikvah Institut und ist im Teilprojekt Scientia des Verbundprojekts EMPATHIA³ tätig.

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